Rund um den Bau des Ihmezentrums
1) Das älteste Foto zeigt die Spinnereistraße im Jahre 1963 mit Blick vom Küchengarten zur (alten) Brücke über die Ihme. Bei genauem Hinsehen erkennt man am Ende der Straßenflucht den eisernen Brückenbogen. Das Gebäude dahinter - schon auf dem Gebiet der Calenberger Neustadt - gehört der Wagnerschen Stiftung und ist heute noch vorhanden. Die Mauer rechts im Bild umgrenzte die Mechanische Weberei.
![]() Spinnereistraße 1963 - Horst Bohne |
![]() Spinnereistraße 2008 - Michael Jürging |
Anhand des Vergleichsfotos wird deutlich, dass die Straßenflucht der Spinnereistraße mit den Neu- und Umbauten in den 1960er und 1970er Jahre stark verändert wurde: Während Horst Bohne bei seinem Foto auf der linken Straßenseite stand, befindet sich derselbe Standort heute rechts von der Fahrbahn. Die heutige Brücke befindet sich auch nicht genau an derselben Stelle wie die alte, sondern ein Stückchen weiter flussaufwärts. Das einzige, allerdings schwer zu erkennende Objekt, das sich auf beiden Fotos befindet, ist der Hausgiebel der Wagnerschen Stiftung. Im Vergleichsbild ist er links von der großen Reklametafel im Bildmittelgrund zu finden.
2) Die anderen drei Motive dokumentieren den Bau des Ihmezentrums im Jahre 1973 aus verschiedenen Blickwinkeln. Der Fotostandort in der Fössestraße ist sofort anhand der Häuserfront vorne links wiederzuerkennen. Es handelt sich um die Straßenecke Fösse-/Mathildenstraße. Wir erkennen, dass die Fössestraße - wie auch die Spinnereistraße - von zwei auf vier Fahrspuren verbreitert wurde.
![]() Fössestraße 1973 - Horst Bohne |
![]() Fössestraße 2008 - Michael Jürging |
Beim Blickwinkel "Ihmeufer" hilft der aufgeständerte Vorbau des Wohnturmes Spinnereistraße Nr.1 vorne rechts beim Wiedererkennen. Auf den zweiten Blick wird dann deutlich, dass im Vergleichsfoto das etwas nach vorne ragende Treppenhaus hinten links (mit den senkrecht geschlitzten Fensterchen) dem linken Betonturm auf dem Bild von 1973 entspricht.

Ihmeufer 1973 - Horst Bohne

Ihmeufer 2008 - Michael Jürging
Desgleichen muss man sich bei dem Motiv "Blumenauer Straße" auf die Treppenhäuser mit ihren mittigen Fensterschlitzen konzentrieren, um die Übereinstimmung des Fotostandortes nachvollziehen zu können. Auf dem Foto von 1973 sehen wir vorne rechts die Hausfront des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Lindener Brauerei. Perspektivisch interessant: Wenn man der Gebäudefront in den Bildhintergrund bis zum Ende folgt, wird am Horizont die Waterloo-Säule sichtbar. Und noch ein kleines Suchspiel: Wer entdeckt die Kuppel des Neuen Rathauses?
![]() Blumenauer Straße 1973 - Horst Bohne |
![]() Blumenauer Straße 2008 - Michael Jürging |
Erinnern und bewahren
Als nach dem Krieg meine Heimatstadt Hannover in einem heute unvorstellbarem Maße
verwüstet war, wurde der beginnende Wiederaufbau mit viel Interesse beachtet. Mit den
anfangs nur sehr beschränkt verfügbaren Baustoffen konnten Bauprojekte zunächst nur in
relativ kleinem Rahmen vorangetrieben werden. In späteren Jahren begann ich Neubauprojekte
und Veränderungen im Stadtbild im zeitlichen Ablauf fotografisch festzuhalten,
angefangen mit dem Abriss evt. noch vorhandener alter Bausubstanz bis zur Baugrube und
dann den neuen Aufbau bis zur Fertigstellung. Es war und ist auch heute noch für mich immer
wieder faszinierend, die bautechnische Logistik zu verfolgen, und ich habe im Laufe der Jahre
viel Respekt und Bewunderung für die Architekten und Handwerker erworben.
Das fing mal an mit dem Bau des Westschnellwegs, als direkt vor unserem Wohnhaus in der
Windheimstraße die Kleingärten verschwanden und die Trasse vom Deisterplatz bis zum
(damals noch) Schwanenburg-Kreisel aufgeschüttet wurde.
Als die U-Bahnstrecke zwischen dem Lister Platz und dem Kröpcke gebaut wurde, hatte ich
die rund 20 Meter tiefe Baugrube direkt vor dem Haus unseres Bangemann-Reisebüros in der
Celler Straße (heute Lister Meile) bis zum Riesenloch am Kröpcke in den verschiedenen
Baustadien fotografiert. Das muss man einfach im Bild festhalten. Das gleiche galt für die
entstehenden Bauten für die EXPO 2000 mit der neuen ÜSTRA-Linienführung bis zum
Kronsberg und dann die lebendige EXPO selbst, genauso wie die Neugestaltung der Bahlsen-
Gebäude zum Podbi-Park mit dem damals größten kreisrunden Loch in Hannover, der
späteren Tiefgarage. Natürlich juckte es auch, die Entstehung des Ihme-Zentrums sowie des
Heizkraftwerkes in Linden auf das Bild zu bannen. Auch der Abriss der Aegi-Hochbrücke
lockte zum Fotografieren. Besonders spannend war es, den Umbau des Niedersachsen-
Stadions zur AWD-Arena im Bild festzuhalten, und zwar vom Abriss der ersten
Zuschauersitzreihe, dem Zerlegen der Leuchtmasten und der westlichen Überdachung, dem
Zusammenbau der Dachkonstruktion, der Verlegung des neuen Rollrasens und schließlich bis
zum ersten offiziellen Punktspiel meines Heimatvereins Hannover 96 auf dem neuen
Spielfeld. Über diese Aktion habe ich ein Album mit einer Auswahl von Aufnahmen im
zeitlichen Ablauf erstellt. Auch die Entstehung des neuen Kaufland-Blocks am Raschplatz ist
natürlich mit zahlreichen Bildern belegt. Aktuell ist die Entstehung der neuen Ernst-August-
Galerie mit Abriss der ehemaligen Post- und der Bahngebäude im Dreieck Kurt-Schumacher-
Straße – Herschelstraße, Aushebung der Baugrube und Neubau des neuen Einkaufzentrums
sowie auch das neue „Rosenquartier“ zwischen Rosenstraße, Schillerstraße, Andreaestraße
und Kurt-Schumacher-Straße. Meine Freunde haben mich im Spaß schon einmal den „kleinen
Hauschild“ genannt.
Außer den Bildern besitze ich als kleine Erinnerung noch eine abgeschweißte Metallplatte
von der Aegi-Hochbrücke sowie ein ähnliches Stück von einem der Dachträger der
Westtribüne des Niedersachsen-Stadions.
Horst Bohne - Hannover, im April 2008









